Deutch

Die School for Designing a Society wurde 1991 als ein Projekt von Lehrern, Darstellern, Künstlern und Aktivisten gegründet. Sie ist ein andauerndes Experiment, in dem temporäre Lebensräume gestaltet werden, in denen ernsthaft und spielerisch über die Frage „Was wäre für mich eine wünschenswerte Gesellschaft?” nachgedacht wird und die als Input für kreative Projekte dienen.

Warum eine wünschenswerte Gesellschaft?

Wir wollen uns an Menschen wenden: an unsere Nachbarn und an unsere entfernten Nachbarn, die im gegenwärtigen sozialen System leben und erkennen, dass dieses System sich selbst auf Kosten seiner Mitglieder erhält, so dass Elend, Armut, Hoffnungslosigkeit, Gewalt und die Herabwürdigung von Menschen an der Tagesordnung sind. Unser soziales System gibt vor, dass Menschen das Problem seien und dass es, das gegenwärtige System, sie Lösung sei. Wir haben uns dieses System genau angesehen und wir wollen es nicht. Wie jedes soziale System ist es von Menschen geschaffen. Es ist nicht naturgegeben und wird von täglichem menschlichen Handeln aufrechterhalten. Wir möchten neue soziale Systeme schaffen und unsere täglichen Handlungsmuster ändernrather than....

Warum Design?

Kritik der Probleme gegenwärtiger Gesellschaft wird oft mit Rechtfertigungen begegnet. Wenn diese Rechtfertigungen scheitern, dann werden viele Konversationen voller hoffnungsvoller Intention abgebrochen mit der Bemerkung „Die gegenwärtige Organisation der Gesellschaft ist die beste die wir haben.” oder mit der Frage „Hast Du vielleicht eine bessere Idee?”

Dies ist ein Moment voller Möglichkeiten. Es sollte kein Moment der Sprachlosigkeit sein. Tatsächlich findet sich der oder die Antwortende nun oft stotternd und erfüllt von einer rebellischen Gemütslage, welche bedauerlicherweise in der bloßen Sprache des sich-Beklagens verwässert wird.

Nachdem wir die Zeit und die Gelegenheit hatten–gemeinsam mit anderen und ihren diversen Erfahrungen–detailierte Landkarten, Träume, Pläne; Partituren; Videos und Blaupausen ihrer wünschenswerten Gesellschaft zu entwerfen und zu erschaffen, denken wir, dass diese Situation anders aussehen kann.

Stell’ Dir eine Situation voller Dreistigkeit vor: Sie wird gefragt: „Hast Du vielleicht eine bessere Idee?” Jeder in der Kaffeepause schaut sie von oben bis unten an. Sie blickt dem Gesprächspartner ins Auge und greift in ihre Tasche, ihren Ranzen, ihren Koffer oder ihre Küchenschublade und holt ein Büchlein voller Vorschläge hervor, wirft es auf den Tisch, wo es herumliegende Zigarettenkippen zerstreut und antwortet: „Hier, lies’ das–das wird Dir eine Vorstellung von dem geben was ich möchte.”

Warum eine Schule?

Eine Schule bietet das anfängliche Chaos, das notwendig ist, um die Generierung neuer Gedanken zu ermutigen.

Jede/r kann überall und jederzeit lernen, und tut dies auch. In einer Schule jedoch findet sich mit größerer Wahrscheinlichkeit jemand, die/der bereit ist zu lehren.

Das Lehren ist eine der wenigen Berufe für deren Ausübung das Teilen von Macht unabdingbar ist.

In einer Schule können Leute ein gemeinsames Interesse am in-Frage-Stellen von Prämissen und des Gegebenen vorfinden.

Eine Schule bietet eine temporäre Enklave gegen Profit-orientierte Arbeit.

Was unterscheidet diese Schule von anderen Schulen?

School for Designing a Society

Es gibt in jedem Land nicht mehr als eine Handvoll Schulen, die sich dem Wunsch nach sozialer Veränderung annehmen. Darüberhinaus schlägt diese Schule vor, dass sozialer Wandel auf Wünschen basiert. In keiner anderen Schule wird den Wünschen ihrer Studenten eine solch hohe Priorität gegeben.

Diese Schule wird von Leuten organisiert, die Wert darauf legen, dass sie wissen wie man eine Einladung annimmt.

Es gibt an der Schule keine Verwalter oder Sachbearbeiter.

Das Darstellen wird ausgesprochen stark betont, allerdings wird es auf besondere Weise verstanden. Es geht hier nicht um selbstgefällige Geltungssucht. Darstellen wird verstanden im Sinn von: eine Intention haben und aus Alternativen eine bevorzugte Art zu wählen diese Intention zu präsentieren. Daher betont die Schule das Darstellen nicht nur im Sinn von Musizieren, Bewegung, Sprache und der „darstellenden Künste”, sondern auch im Sinn alltäglichen Darstellens: dem Darstellen sozialer Rollen und dem Darstellen unserer Identitäten. Darüberhinaus orientiert sich das Interesse am Darstellen nicht akademisch am Beschreiben dessen was bereits existiert. Es ist vielmehr aktiv: Darstellungen, die täglichen und scheinbar natürlichen inbegriffen, werden als veränderlich und wählbar behandelt. In der Schule werden zahlreiche Gelegenheiten geboten, um mit verschiedenen Arten Intentionen zu präsentieren Spaß zu haben, zu spielen und zu experimentieren.

„Wir wollen uns mit Sprache auseinandersetzen: damit wie wir sprechen und damit wie Sprache uns spricht. Überlieferte sprachliche Muster bilden die Waffen eines sozialen Systems. Mit ihnen werden unterdrückende Strukturen oft versteckt und gerechtfertigt und die Erschaffung von Alternativen vereitelt. Diese Waffen werden allzu oft nicht oder nur unzureichend untersucht und verstanden. In dieser Schule werden wir, während wir verschiedene Themen studieren, Ereignisse diskutieren und Entscheidungen fällen, die verwendete Sprache nie aus unseren kritischen Augen verlieren und uns gegenseitig zu Momenten gestalteter Eloquenz anspornen.”
– Susan Parenti

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Diese Schule lädt ein zum Suchen nach Verbindungen zwischen Komposition und dem Designen von Gesellschaft, wobei Komposition verstanden wird als das Zusammenfügen von Dingen, die niemals zuvor so zusammengefügt wurden, um gemeinsam etwas zu tun, was sie allein nicht tun würden.

Im Sinne dieses Verständnisses von Komposition könnte man etwa durch das Schreiben eines Musikstücks etwas über das neuartige Organisieren einer Küche lernen, oder Analogien erkennen zwischen neuen Arten zu malen und neuen Arten über Freundschaft nachzudenken.

Struktur beeinflusst Inhalt. Diese Schule erprobt neue Lern-Formate und beobachtet wie diese neuen Formate das beeinflussen was diskutiert wird.

Diese Schule ist keine akademische Institution. Sie ist nicht anti-intellektuell, nicht interessiert daran, das zu tun, was einst funktioniert hat und nun nicht mehr funktioniert. Sie ist nicht daran interessiert das zu tun, was dann jetzt war, jedoch jetzt dann ist. Sie ist nicht daran interessiert Argumente auf dem aufzubauen was von selbst kommt.

Komposition:

„Ich benutze das Wort Komposition immer dann, wenn ich von der Aktivität des Komponisten und den von ihr hinterlassenen Spuren zu sprechen wünsche. Der Komponist ist von dem Wunsch motiviert, das herbeizuführen, was ohne diesen Komponisten und ohne menschliche Intention nicht passieren würde.”
– Herbert Brün

„Wir möchten uns selbst komponieren und somit eine Welt hervorbringen. Unsere Beziehungen untereinander bringen uns selbst und einander hervor. Wir möchten unsere Beziehungen untereinander umwerben und theoretisieren und vorsichtig verändern. Wir möchten dass die Welt und die Menschen in ihr leben und gemeinsam gedeihen. Wir möchten bunte, lustige Hüte aus tödlich ernsthaften Zeitungen tragen. Wir interessieren uns für das Erschaffen neuer Probleme. Wir interessieren uns für die Bedeutung von Experimenten in der Herstellung von sozialem Wandel.”
– William Gillespie

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